Des Geistes

Wellen
im Abendglanz
spülen beharrlich hin zum Land

Sonnengelb, nachtblau,
korallenrot türmt, wölbt sich,
zieht dich in seinen Bann

ein Wolkenaquarell, zur Neige
des Tages getuscht, gefärbt,
geboren

Irrlichterei
Mysterium der Natur

des Geistes Hauch

Sprecher: Götz van Ooyen

Wilder Garten Eden

Beschwerlich der Weg
in den herbstwitternden Bergen,
steil hinauf zum alten Klostergarten

Strotzend vor Reife und Kraft
platzt der trächtige Apfelbaum in
des Wanderers Sichtfeld.
Überbordendes Füllhorn unbändiger Natur

Wilder Garten Eden.
Lockend ohne Arg und List.
Hier wird nicht verführt, verfehlt,
verwiesen

Lass dich fallen
ins frische Gras unter
Baumkronen und Laub

Kein Ort für Fragen.

Die Antwort ist längst da

(Foto: Gerald Dyker)

Sprecher: Götz van Ooyen

Eulenflug

Der Hügelkamm
darauf das Pferd
darüber die Wolke

Verharren
in der Atempause
zwischen Tag und Nacht

Tiefersehen im Eulenflug

Einssein
im Schattenriss
vor verdunkelnder Helle

(Foto: Christine Dittner)

Sprecher: Götz van Ooyen

Abrieb der Zeit

Steine, Muschelsplitter,
unweit des Meeres,
glasig starres Ensemble,
mariner Dunst wabert über sie hinweg

Geschliffen im Abrieb
der Zeit, Urgestein,
stumm kündend von längst
versunkenen Welten

Das Rauschen der Wellen,
schmeck die salzige Brise,
horch, spür in mich hinein,
tauch ab im Trüben des Geschehenen

Was mag fortbestehen, überdauern,
vergänglich, wie wir sind,
von der uns gewährten Spanne
des Wimpernschlags

Sprecher: Götz van Ooyen

Treibholzfund

Verwittert
im Grau geborgen
Kammlinien
Bodenwellen schichtgefältet
Risse Narben
im Querstand

Brüchig kontrastiert
das Kreuz
Verwoben im Holz
scheint es auf

und mahnt

Sprecher: Götz van Ooyen