Die Klause I

Am Abend der Gang zur Klause,
ohne zu zögern, wie ein Zwang

die weiß gekalkte Wand, beschützendes Eck,
darin das Fenster, Rundbogen, neunfach geteilt,
Blattwerk, im Luftzug leise raschelnd

mitten die Bank, verwittert verblichen,
du setzt dich nieder, verweilst im Flug der Zeit

Die Klause II

Gedanken taumeln, ordnen, klären sich
Sorge, Leid drängen, geben nach, treten zurück

das Gewölbe hoch oben zieht Weite auf,
die Klause, Seelenort, der Anker
in der Tiefe des Moments

Die Klause III

Ruhe breitet sich aus
in der aufsteigenden Dämmerung,
wenn der Zeitenfluss zum Halten kommt

zeigen sich Wege und Sinn

was – weshalb
wohin

Sprecher: Götz van Ooyen

Alter Ego, Zwiegespräch

Im Zwiegespräch
die beiden,
eingetaucht in flämmendes
Flackern

Den eignen Schatten
als Alter Ego nehmen,
als Dunkles seiner selbst,
der zuhört und uns zuspricht

Nicht irriges Trugbild,
sondern Teil wahren Scheins,
Bote des Hintergründigen
in dir, in mir

Sprecher: Götz van Ooyen

Way out

Ein Schild, handgefertigt,
unmissverständlich weist es den Weg,
zum Ausgang dort entlang

Wenn das sonst auch so einfach wär,
bei Unsicherheit, Bedrängnis und Not
Weg-Weisung, eindeutig und klar,
Ängste, Sorgen, Gefahren
für immer gebannt

Wäre es den Preis wert –
geborgen im Netz der Unfreiheit

Kein Way out,
den gäbe es nicht

Sprecher: Götz van Ooyen

Wohin

Rauf oder runter,
die gewendelten Stufen
im Turm.
Aufwärts, zum Licht,
hinab, ins Dunkel

Zur Spitze,
furchtlos, schwindelfrei.
In die Tiefe,
achtsam, erdverhaftet.
Sturzgefahr
in beiden Richtungen

Der letzte Weg führt
abwärts nach oben

außer sich

Sprecher: Götz van Ooyen

Himmelwärts

Himmelwärts die Augen,
dem Gebäude starr entgegen,
vornübergebeugt, mustert es
das, was unten ist,
so scheint es und so ist es

Der point de vue verliert sich
im Ungewissen des Geschehens,
von Ahnungen und Fragen,
beklemmenden Gedanken,
die abzuschütteln das Beste wäre

Warum breitet sie sich aus,
die düstere Szene, nimmt uns
in Besitz, unweigerlich?
Schöner, leichter wäre es ohne sie,
ehrlich aber nicht

Sprecher: Götz van Ooyen

shopwindowmannequins

Die Neuen Anderen
Glattwerk kühl
Nim.mer.mü.de Hu.ma.no.i.de
Per.fek.te Ap.pa.ra.tu.ren
Vom Menschen gemacht

No.ch

eilfertig, beflissen, apart
in care production support
service governance and art

Sind sie das –
wann schlägt es um
in Grauen,
wann haben wir sie,
w.ir eu.ch satt?

We.r  we.i.ß.

Sprecher: Götz van Ooyen

Eulenflug

Der Hügelkamm
darauf das Pferd
darüber die Wolke

Verharren
in der Atempause
zwischen Tag und Nacht

Tiefersehen im Eulenflug

Einssein
im Schattenriss
vor verdunkelnder Helle

(Foto: Christine Dittner)

Sprecher: Götz van Ooyen

Treibholzfund

Verwittert
im Grau geborgen
Kammlinien
Bodenwellen schichtgefältet
Risse Narben
im Querstand

Brüchig kontrastiert
das Kreuz
Verwoben im Holz
scheint es auf

und mahnt

Sprecher: Götz van Ooyen