Der Zaun

Ein Staketenzaun.
Schutz, Abgrenzung, Hindernis.
Ort beiläufiger Gespräche,
längeren Verweilens, verstohlener Blick
hinüber

Verbund knorriger Individuen,
aneinandergereihter runzeliger Latten,
was alles mögen sie gesehen haben
oder gehört

Unter ihnen das Erdreich,
bohrendes Gewürm, Fäulnis
und das Morbide,
dort, wo wir alle enden werden,
früher oder später

Doch noch betört
der Duft blühender Kastanien,
der Nachgeschmack
lieblichen Weines

Strandkorb 634

Sich verkriechen bei Wind und Wetter.
Sicht gen Osten, in den vergangenen
Morgen, den aufkommenden Abend,
local time 6:34 p.m.

Pünktlich eingetroffen, stets um diese Zeit.
Der Einsamkeit begegnen, sie teilen,
vertreiben – darauf verstehen wir uns,
wir zwei

Eines Tages wird er fort sein.
Oder ich.
Was dann?

(Foto: Jan Behrens)

Im Raum

Stühle, Hocker
situativ wie beiläufig
neben einander
zu geordnet

Askese des Raums
legt Fokus auf
Nach Denken
Sinnen Sehen

Das Ensemble
spricht lockt mich
an lässige Kultur
der Betrachtung Reflexion

Prüfung Spekulation
für sich im
Austausch mit
unter einander

Fühl mich
zugehörig – du
auch wer noch
?

Die Klause I

Am Abend der Gang zur Klause,
ohne zu zögern, wie ein Zwang

die weiß gekalkte Wand, beschützendes Eck,
darin das Fenster, Rundbogen, neunfach geteilt,
Blattwerk, im Luftzug leise raschelnd

mitten die Bank, verwittert verblichen,
du setzt dich nieder, verweilst im Flug der Zeit

Die Klause II

Gedanken taumeln, ordnen, klären sich
Sorge, Leid drängen, geben nach, treten zurück

das Gewölbe hoch oben zieht Weite auf,
die Klause, Seelenort, der Anker
in der Tiefe des Moments

Die Klause III

Ruhe breitet sich aus
in der aufsteigenden Dämmerung,
wenn der Zeitenfluss zum Halten kommt

zeigen sich Wege und Sinn

was – weshalb
wohin

Stille sehen, Gondelrad

Nabe und Achse,
mittig im Rad,
achtzig Speichen,
der Strahlenkranz,
aufgeständert
an den Ufern

Steigen, Sinken im Rund,
Wechsel der Szenen,
verquirlt im Spiel
von Turn und Spin,
nicht Film, nicht Theater,
keine Silbe, keine Note

tropfen in die Stille

sehen

Das Haus und die Bank

Hoch oben im Rückraum
grün bewachsener Klippen

Du stehst.
Wie angewurzelt,
staunend, im Bann,
es verbietet sich das Weitergehen

Ein Haus, anmutend
wie ein futuristischer Monolith,
selbstbewusst in die Landschaft postiert,
blendend weiß,
so auch die Cliffs bei
St. Margaret’s über der Bay,
strahlend elegant

Hier wohnen.
Und so träum ich,
auf der Bank am Weg,
mich hinein und
hinweg im selben Moment,
über’s Meer,
das ich seh und hör

bescheiden und entrückt

Leicht

Alles schwebt
alles

Hinein gleiten
herüber
hierhin dorthin hinunter                 
auf dem Strahl des Lichts

Hinaus wehen
hinweg 
dazwischen daneben voraus
in der Leichte der Transparenz          

Fühlen
des swing im Raum