Das Haus und die Bank

Hoch oben im Rückraum
grün bewachsener Klippen

Du stehst.
Wie angewurzelt,
staunend, im Bann,
es verbietet sich das Weitergehen

Ein Haus, anmutend
wie ein futuristischer Monolith,
selbstbewusst in die Landschaft postiert,
blendend weiß,
so auch die Cliffs bei
St. Margaret’s über der Bay,
strahlend elegant

Hier wohnen.
Und so träum ich,
auf der Bank am Weg,
mich hinein und
hinweg im selben Moment,
über’s Meer,
das ich seh und hör

bescheiden und entrückt

Artisten im Rampenlicht

Zu balancieren scheinen sie
über staunenden Halmen
wie Artisten
im Rampenlicht
silberhell
voller Klarheit

Unmerklich sichert
das filigrane Netz
die Tautropfen
wie die Illusion
von Leichtigkeit
und Zauberei

Gesponnen in der Webstube
der Natur, ihren Gesetzen
gemäß, überstiegen
nur von der Phantasie
in dir und mir
und irgendwem

kostbar und so verletzlich

Taglilie

Für einen Tag nur,
leuchtend rot wie gelb,
blendet ihre Blütenpracht

Tags darauf
öffnen sich weitere Knospen, Stängel,
kluge Verstetigung der Blütenfolge,

sommers über Monate, täglich,
Jahr für Jahr lässt sie harmonisch
das Eine ins Andere greifen

Der Mensch, begabt, wie er ist,
denkend, fühlend, betend,
zum Mond fliegt er und noch viel weiter,

ob er von ihr zu lernen vermag?
Das wäre so wunderbar wie sie selbst

Scabiosa

Wie Lampions im Wind,
Schwämmen gleich
im Ozean, scheinen sie
zu schwanken, zu treiben,
obzwar gehalten, gegründet
von gräsernen Stängeln

In Wahrheit nun
siedeln sie an Land,
weiß, violett,
Scabiosa, Kardenpflanze,
kratzig, krätzig,
in zartem Pastell

Das Schöne, scheu, entzieht sich gern,
weit hinaus ins All,
dorthin, wo ein Asteroid auf seiner Bahn
irgendwo zwischen Mars und Jupiter hängt
und den Namen (1228) Scabiosa trägt

fernab und doch so nah in einem

Waldweidenröschen, verblüht

danse, toi belle

Dreh dich dreh dich
dreh dich im Tanz

kreisel dich frei
in der pirouette

anmutig gleitest du
übers parquet

im port de bras
strahlst du bereit

für eine weitre valse
die dich freit

dreh dich dreh dich
im Lichterglanz

Eulenflug

Der Hügelkamm
darauf das Pferd
darüber die Wolke

Verharren
in der Atempause
zwischen Tag und Nacht

Tiefersehen im Eulenflug

Einssein
im Schattenriss
vor verdunkelnder Helle

(Foto: Christine Dittner)