Die Klinke

Alte Landkirche
Nordjütland

Poliert von tausend Händen
mit dem Türblatt vereint
gealtert im türkisfarbenen Pigment

gibt sie den Weg frei, öffnet, lädt ein
verschließt, weist ab, versperrt

Ankunft Abschied Wiederkehr
Geburt Leben Tod

Die Klinke –
damals vom Meister
kunstvoll geformt

wie ein Integral
Summen-Zeichen
des Lebens


Des Geistes

Wellen
im Abendglanz
spülen beharrlich hin zum Land

Sonnengelb, nachtblau,
korallenrot türmt, wölbt sich,
zieht dich in seinen Bann

ein Wolkenaquarell, zur Neige
des Tages getuscht, gefärbt,
geboren

Irrlichterei
Mysterium der Natur

des Geistes Hauch

Wilder Garten Eden

Beschwerlich der Weg
in den herbstwitternden Bergen,
steil hinauf zum alten Klostergarten

Strotzend vor Reife und Kraft
platzt der trächtige Apfelbaum in
des Wanderers Sichtfeld.
Überbordendes Füllhorn unbändiger Natur

Wilder Garten Eden.
Lockend ohne Arg und List.
Hier wird nicht verführt, verfehlt,
verwiesen

Lass dich fallen
ins frische Gras unter
Baumkronen und Laub

Kein Ort für Fragen.

Die Antwort ist längst da

(Foto: Gerald Dyker)

Eulenflug

Der Hügelkamm
darauf das Pferd
darüber die Wolke

Verharren
in der Atempause
zwischen Tag und Nacht

Tiefersehen im Eulenflug

Einssein
im Schattenriss
vor verdunkelnder Helle

(Foto: Christine Dittner)

Abrieb der Zeit

Steine, Muschelsplitter,
unweit des Meeres,
glasig starres Ensemble,


Das Rauschen der Wellen, die salzige Brise.
Mariner Duft weht über sie hinweg.

glasig starres Ensemble, geschliffen
im Abrieb der Zeit, Urgestein.
Stumm kündend von längst
versunkenen Welten.

Irgendwann ist‘s für den Menschen
so weit, vergänglich, wie er ist.
Was mag bleiben von der ihm gewährten
Spanne des Wimpernschlags?

Treibholzfund

Verwittert
im Grau geborgen
Kammlinien
Bodenwellen schichtgefältet
Risse Narben
im Querstand

Brüchig kontrastiert
das Kreuz
Verwoben im Holz
scheint es auf

und mahnt