Der Zaun

Ein Staketenzaun.
Schutz, Abgrenzung, Hindernis.
Ort beiläufiger Gespräche,
längeren Verweilens, verstohlener Blick
hinüber

Verbund knorriger Individuen,
aneinandergereihter runzeliger Latten,
was alles mögen sie gesehen haben
oder gehört

Unter ihnen das Erdreich,
bohrendes Gewürm, Fäulnis
und das Morbide,
dort, wo wir alle enden werden,
früher oder später

Doch noch betört
der Duft blühender Kastanien,
der Nachgeschmack
lieblichen Weines

Blocked

Gitterstäbe unzählige
auf der Erde
sperren aus, sperren ein

eintönig zumeist, manchmal
unsichtbar, lieblos immer gebieten
blocken sie ab, kalt und eisern

das Vordringen zum geöffneten
Waggon, in die Welt der Ungefangenen,
Glück und Freiheit

verzweifelt, ins rettende Land

hinter dem Zaun

wo
stehst du,
diesseits oder drüben

Die Klinke

Alte Landkirche
Nordjütland

Poliert von tausend Händen
mit dem Türblatt vereint
gealtert im türkisfarbenen Pigment

gibt sie den Weg frei, öffnet, lädt ein
verschließt, weist ab, versperrt

Ankunft Abschied Wiederkehr
Geburt Leben Tod

Die Klinke –
damals vom Meister
kunstvoll geformt

wie ein Integral
Summen-Zeichen
des Lebens