Im Teich

Blätter im Teich.
Seerosen im Kreis.
Ein Bild der Harmonie,
mit Frosch,
getarnt, ungeküsst

Das will er bleiben,
wer weiß, wie es sich
als Prinz so lebt,
in erlauchten Zirkeln

Ach so fremd, so anders,
diese Ansprüche, denen
man genügen muss

Frosch im Teich,
darauf wird er lautstark beharren

mit den Rosen im Chor

Artisten im Rampenlicht

Zu balancieren scheinen sie
über staunenden Halmen
wie Artisten
im Rampenlicht
silberhell
voller Klarheit

Unmerklich sichert
das filigrane Netz
die Tautropfen
wie die Illusion
von Leichtigkeit
und Zauberei

Gesponnen in der Webstube
der Natur, ihren Gesetzen
gemäß, überstiegen
nur von der Phantasie
in dir und mir
und irgendwem

kostbar und so verletzlich

Das Faultier

Da häng ich
geruhsam an Lianen und an Zweigen.
Schau
dem Fortschritt des Mooswuchses zu

Niemals, wirklich niemals
würde ich den Schnecken unter mir
nacheifern,
die gelegentlich vorbeieilen, ja hetzen

Wo wollen sie nur hin ohne Rast und Ruh?

Haben sie noch nie von der Endlosigkeit
des Augenblicks gehört –

von der kontemplativen Frucht
der Langsamkeit

Ach, sei’s genug

Wahrlich,
hab viel gedacht, gar nachgedacht

Adieu –

mein Blick verträumt, schläft ein
im grünen Schleier des Geästs

Gute Nacht!

(Foto: Detlev Hoffmann)



Am Rande des Parks

Blattwerk im Dunklen,
spärlich beschienen,
am Rande des Parks

Beschleunige meinen Schritt,
sporne mich an,
sicher ist besser, besser ist sicher

Vertreibe die Gespenster in meinem Kopf,
gehe mit festem Schritt, doch gelassen,
zeige Kontur, Statur, Unnahbarkeit

Bin auf der Hut zugleich, lass
Vor-Sicht walten, von begrenztem Nutzen,
wenn nichts zu sehen ist

Da hilft nur Lauschen,
Wittern, Ahnen, angespanntes
Lauern verkümmerter Sinne

Aufatmen, wenn die Tür ins Schloss fällt

Bittersüßer Nachtschatten


Wortklang, Nachhall,
Traumgespinst

Gedanken spielen, schweben
ein, nicht recht zu greifen,
gefangen nehmen sie,
reizen die Phantasie,
in mir, in dir

Bittersüßer Nachtschatten,
voller Ambivalenz,
grazile Anmut und der Todesstoß,
lindernde Arznei, schleichendes Gift,
Flügel der Liebe, Sturz in den Schmerz

o Romeo and Julietbittersweet,
Drama der Schattennacht

Schwarze Holunderbeere

Dort, wo sie ihre Heimstätte wählt,
soll er am besten gedeihen.
Überlass ihr den Platz, gewähr Asyl,
dein Schaden wird’s nicht sein

Schweres Aroma
voller Süßlakritz,
gute Geister, flüsternd im Gezweige,
heilt er, der Holler

Sambucus nigra,
Hort der Magie, Tor zum Jenseits,
verdorrend den Tod verkündet er,
Teufelszeug, der schwarze Holunder

Nah beieinander Segen
und Fluch, widerstreitend
in Beeren, Blatt und Blüte,
Überlieferung, Glaube, Erkenntnis

Margaritenblum

Wimmelbild.
Auf der Wiese dicht an dicht,
weißgelbgrün,
eine Perle, margarita, in sich bergend,
tritt sie in Gemeinschaft auf

Lindernd, heilsam
soll sie sein, so wird erzählt,
Schicksal spielt sie in der Liebe

Effeuiller la Marguerite:
elle m’aime, un peu, pas du tout,
Herzschlag auf Herzschlag
ihrer Blütenblätter beraubt,
sinkt sie dahin, vergeht

Ach, hätt‘ doch jemand
eine Margerite für mich,
dies liebenswerte Geschöpf,

hegen, pflegen, umsorgen
würd‘ ich sie, ihr einen Namen geben,
mit ihr sprechen,
leben
bis ans Ende meiner Tage

Taglilie

Für einen Tag nur,
leuchtend rot wie gelb,
blendet ihre Blütenpracht

Tags darauf
öffnen sich weitere Knospen, Stängel,
kluge Verstetigung der Blütenfolge,

sommers über Monate, täglich,
Jahr für Jahr lässt sie harmonisch
das Eine ins Andere greifen

Der Mensch, begabt, wie er ist,
denkend, fühlend, betend,
zum Mond fliegt er und noch viel weiter,

ob er von ihr zu lernen vermag?
Das wäre so wunderbar wie sie selbst

Scabiosa

Wie Lampions im Wind,
Schwämmen gleich
im Ozean, scheinen sie
zu schwanken, zu treiben,
obzwar gehalten, gegründet
von gräsernen Stängeln

In Wahrheit nun
siedeln sie an Land,
weiß, violett,
Scabiosa, Kardenpflanze,
kratzig, krätzig,
in zartem Pastell

Das Schöne, scheu, entzieht sich gern,
weit hinaus ins All,
dorthin, wo ein Asteroid auf seiner Bahn
irgendwo zwischen Mars und Jupiter hängt
und den Namen (1228) Scabiosa trägt

fernab und doch so nah in einem

Vogelbeere, Herbst I

Gürmsch, Gürgetsch, Wiismehlbomm,
fremde Laute stolpern über die Zunge,
klingen nach in den alten Namen der Vogelbeere

Kleiber, Gimpel, auch die Mönchsgrasmücke,
kümmert‘s nicht, ihr Begehr, winz’gen Äpfeln gleich,
lädt rotbackig zum Verzehr